Der Lederbaumsattel
 
          Das flexible Sattelsystem

Der Lederbaumsattel

                             Das flexible Sattelsystem

Hilfszügel teilen die Reiterwelt. Die einen sehen sinnvolle Ergänzungen darin, die anderen nicht.

Ich muß sagen, ich habe da keine ganz klare Meinung dazu, aber natürlich eine ganz klare Linie.

Die Krux an Hilfszügeln ist die, daß sie oft zum falschen Zweck verwendet werden. Sie werden genutzt, um das Pferd in eine gewisse Haltung zu bringen in der Überzeugung, daß dann das Pferd den Rücken loslassen und mit der Hinterhand mittreten muß. Sprich, daß der jeweilige Hilfszügel das erreicht, was der Reiter selber gerade erfolgreich verhindert.

Viele Reitschulen setzen Hilfszügel seit Jahren obligatorisch ein, oft haben die Schüler gar keine Chance, ohne diese zu reiten.

Meine Gedanken dazu: Pferde sind nicht doof. Im Prinzip wissen sie recht gut, wie sie einen Reiter auf ihrem Rücken tragen können. Junge Pferde lernen das sehr schnell, wenn der Reiter sie nicht dabei stört. 

Balanciert sich ein Pferd also nicht selber unter dem Reiter aus und nimmt eine Haltung ein, in der es den Reiter gut tragen kann, dann liegt dem meist ein Problem zu Grunde. Das bedeutet schlicht, das Pferd kann diese Haltung nicht einnehmen, sonst würde es das tun, da das normalerweise am kraftschonendsten ist.

Nun wird ein Hilfszügel eingeschnallt, der das Pferd daran hindert, eine Ausweichhaltung einzunehmen. Dummerweise besteht das Grundproblem aber weiterhin fort und das Pferd wird irgendwo anders in eine Fehlhaltung gebracht. Da aber nun der Hals nett rund und der Kopf in der gewünschten Position ist, bemerkt man das meist gar nicht. Auf gut deutsch, hier wird eine offensichtliche Problematik nicht beseitigt, sondern nur unterdrückt und kaschiert.

Oft kommt das Argument, in der spanischen Hofreitschule und anderen renommierten Instituten würden die Lehrlinge ja stets auf ausgebundenen Lehrpferden unterrichtet. Ja, diese Pferde dürften auch sonst gut trainiert und im optimalen körperlichen Zustand sein, so daß Ausbinder für sie kein Zwang sind und körperliche Defizite überspielen. Sie werden in der Lage sein, die gewünschte Haltung problemlos einzunehmen und zu halten. Die Ausbinder ersetzen hier lediglich die Zügel, dienen aber keiner Korrektur.

Meine Erfahrung mit Anfängern und nicht ausgebundenen Pferden ist tatsächlich so, daß sich die Pferde, sofern der Reiter sie nicht im Maul stört, selber ausbalancieren und den Rücken dehnen. Aus dieser Erfahrung heraus resultiert meine absolute Überzeugung, daß ein Pferd, welches sich ohne Hilfszügel vehement nach oben entzieht oder die Reiterhilfen nicht mehr akzeptiert, auf gar keinen Fall als Schulpferd dienen sollte. Denn es ist körperlich nicht den Anforderungen gewachsen, die es dazu mitbringen muß. Egal, wie brav (tot) es sich sonst präsentiert. Leider resignieren die meisten Pferde in dieser Situation und leiden stumm.

Hilfszügel sollten nur dann eingesetzt werden, wenn sie dem kurzzeitigen Ersatz der reiterlichen Zügelhilfe dienen. Z.B. bei Sitzübungen an der Longe. Und ob sie da notwendig sind, kommt sehr stark darauf an, was dabei geübt werden soll.