Der Lederbaumsattel
 
          Das flexible Sattelsystem

Der Lederbaumsattel

                             Das flexible Sattelsystem

Ja, wozu nimmt man überhaupt Unterricht?

Welcher Reiter kennt nicht die Frage von Familie, Freunden, Bekannten "Kannst du es denn immer noch nicht? Du reitest doch schon sooo lange." 

Eine etwas nervige Frage, die aber natürlich auch nicht unberechtigt ist.

Wer neu in den Reitsport einsteigt, der stellt sich diese Frage meist nicht, es ist klar, daß man die richtige "Bedienung" eines so großen und starken Tieres erst mal erlernen muß. 

Aber Reiter, die das seit vielen Jahren ausüben? Eigene Pferde haben? Warum nehmen die Unterricht? Wenn man seinen Führerschein einmal hat, nimmt man doch auch keine Fahrstunden mehr. 

Bei diesem Gedanken möchte ich nun ansetzen und erst mal darauf eingehen, wozu Reitunterricht dient. 

Reitunterricht hat zum einen den Sinn zu erlernen, wie man ein Pferd in den drei Grundgangarten weitgehend sicher kontrolliert. Und hier beginnt das schon, wo sich die Anforderungen von denen an das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges im Straßenverkehr deutlich unterscheidet: Ein Pferd ist kein rein mechanisches Gebilde, sondern ein Lebewesen mit eigenen Instinkten, Gedanken und freiem Willen. Dazu kommt, daß es als Fluchttier über eine ungeheure Reaktionsschnelligkeit und ausgeprägte Sinneswahrnehmungen verfügt, die wir Menschen einfach nicht besitzen. Das in Verbindung mit der Masse, Kraft und Schnelligkeit kann zu einem tödlichen Geschoß werden, wenn das am falschen Ort und zur falschen Zeit losbricht.

Leider machen sich viele Menschen das gar nicht bewußt und sehen Pferde und Ponys als große lebendige Plüschtiere an.

Hier setzt ein großer Aufgabenbereich des Unterrichts an: Dem Reiter das Wesen und die Beürfnisse eines Pferdes nahe zu bringen. Zu verstehen, daß ein Pferd kein Mensch ist, nicht denkt und fühlt wie wir und auch andere Dinge braucht, um gut, glücklich und gesund alt werden zu können und sich dabei sein freundliches und ausgeglichenes Wesen zu erhalten.

Der nächste Punkt ist der, daß ein Reiter lernen muß, seinem Pferd den Job des Reitpferdes nicht schwerer zu machen als notwendig. Körperkontrolle und Gefühl sind dafür notwendig. Und das Verständnis dafür, wie der Reiter das Pferd beeinflußt. Da wir dazu im Prinzip unser gesamtes Gefühl ummodeln müssen, ungewohnte Körperstellen zum Fühlen und Agieren benutzen und andere ausschalten müssen, dauert das oft viele Jahre und bedarf der regelmäßigen Korrektur eines geschulten Auges.

Wenn ein Reiter dann mit seinem Pferd so weit ist, daß er diese zwei ersten Punkte halbwegs im Griff hat, kommt oft ein neues Pferd in sein Leben. Und plötzlich ist alles anders. Dieses Pferd ist nicht das vertraute Pferd. Es fühlt sich anders an, es reagiert anders, es hat einen anderen Charakter - kurz, der Reiter hat das Gefühl, er wäre wieder ein Anfänger. Und da zeigt sich der Unterschied zwischen Unterricht und gutem Unterricht. Hat der Reiter bis dahin gelernt, sein Pferd zu reiten oder zu fühlen?